Leserbrief

Betr.: Vertreibung von Domprediger Quast

Ich bin voller Zorn, wenn ich sehe, wie der Personaldezernent im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM) Oberkirchenrat Dr. Christian Frühwald seine Macht benutzt, um sich im Streit in der Magdeburger Domgemeinde durchzusetzen. Ihn stört dabei nicht, dass er eine blühende Gemeinde zerstört. Er betreibt mit Eifer die Demütigung des Dompredigers Giselher Quast. Er verpasste den Beteiligten einen Maulkorb. Geheimdiplomatie ist seine Waffe. Eiskalt lässt er Kritik an sich abtropfen. Seine öffentlichen Verlautbarungen strotzen vor Selbstgerechtigkeit. Wie lange kann sich eigentlich noch die EKM solch einen Personalchef leisten, der den Ruf ihrer Kirche in eklatanter Weise beschädigt. Bundesweit erregt sein autoritäres Vorgehen bereits Aufsehen. Die Kirchenleitung der EKM wird in absehbarer Zeit den Fragen der überregionalen Medien ausgesetzt sein, ob der Stil des OKR Dr. Frühwald in Zukunft kirchenleitendes Handeln bestimmen wird.

Schon im Januar 2010 war er sich seiner Entscheidungsmacht bei den Spannungen in der Domgemeinde so sicher, dass er ausplauderte, was sein Ziel war: Der Domprediger Quast werde seine Stelle verlieren. Man müsse sich noch überlegen, wie das bewerkstelligt werden könne. In seinem Eifer hatte er am Anfang vergessen, seinen Gesprächspartnern ein Schweigegelübde abzunehmen. Zu einem anderen Zeitpunkt wird er in hoher Erregung behaupten, dass könne nicht der Fall sein. Solche handwerklichen Fehler mache er nicht. Schließlich sei er der beste Personalchef Deutschlands. Spätestens jetzt stellt sich die Frage, wie kommt ein Mann der Kirche zu solch einer Selbsteinschätzung? In der Versammlung der Domgemeinde im Oktober 2010 traf der geballte Zorn der Gemeindemitglieder den Gemeindekirchenrat und die Vertreter der Kirchenleitung. Dr. Frühwald warf sich nicht in die Bresche. Er ließ nach meinem Eindruck alle Beteiligten im Regen stehen. Unsicherheit und Nachdenklichkeit machte sich auf dem Podium breit. Propst Hackbeil wollte zeitnah mit den Kritikern reden. Mitglieder des Gemeindekirchenrates beteuerten, dass sie immer mit Pfarrer Quast zusammenarbeiten wollten und ihn in den vertraulichen Verhandlungen nicht im Stich gelassen hätten. Allerdings hätte der Gang von Gemeindegliedern an die Öffentlichkeit das Landeskirchenamt zum schnellen Handeln gezwungen. Damit wäre eine einvernehmliche Lösung unter den Konfliktpartnern nicht mehr möglich gewesen. Als der erste Schock der Gemeindeversammlung vorbei war, konnte man von Mitgliedern des Gemeindekirchenrates hören, es seien Kräfte von draußen gewesen, die das Klima in der Versammlung angeheizt hätten. Die Mehrheit der Gemeinde sei mit der vorgeschlagenen Lösung einverstanden. Sie hätten sich aber nicht getraut, in dieser aufgeheizten Atmosphäre zu reden. Während die Bischöfin im September erklärt hat, sie wisse, das 80 bis 90% hinter Pfarrer Quast stünden, vernimmt man jetzt voll Verwunderung eine völlig andere Sichtweise. Die aufmuckenden Gemeindeglieder müssen sich jetzt sagen lassen: Ihr seid Stimmungsmachern auf den Leim gegangen. Eine neue zeitnahe Gemeindeversammlung soll nicht stattfinden. Als Termin ist der März 2011 vorgesehen, wenn alle Messen gesungen sind. Ich sehe im Geist die Fäden, an denen OKR Dr.Frühwald gezogen hat, damit er im Frühjahr 2011 ans Ziel seiner Wünsche gelangt und dann Abberufung von Domprediger Quast betreibt. Ich stehe fassungslos vor den von keinen Zweifeln getrübten Machtspielen.

Hans-Jochen Tschiche
Satuelle